Tag-Archiv für 'polizeigewalt'

Polizeiübergriff auf mich und Stellungnahme

Auf der Demonstration zum Gedenken an den Tod Conny Wessmanns am 14.11.09 in Göttingen wurde ich von der Polizei geschlagen, geschubst und getreten. Dieses Video dokumentiert die Situation:


Ich beobachte seit Langem Demonstrationen als Journalist. Oft genug habe ich Situationen beobachtet, bei der die Polizei über die Stränge schlägt, sich unverhältnismäßig und rechtswidrig verhält. Solche Situationen gibt es immer wieder und sie sind auch zu genüge dokumentiert. Und um sie dokumentieren zu können, führe ich eine Videokamera mit. Das ist meine demokratische Funktion in diesem Moment: die Überwachung der Exekutive.

In diesem Sinne habe ich eben doch eine Sonderfunktion und auch besondere Rechte. Ich darf Orte betreten, die einE DemonstrantIn nicht betreten darf, solange ich die Polizei nicht in ihrer Arbeit behindere. Und das habe ich nicht getan, es sei denn das bloße dokumentieren der polizeilichen Maßnahmen wird mir als Behinderung ausgelegt. Ich habe vielmehr erlebt, wie die Polizei mehrfach meine Arbeit behindert hat, mich von kritischen Situationen fern halten wollte, mich unsanft und unfreundlich behandelt hat.

Auf dem Video ist nicht direkt der Tritt zu sehen und auch nicht, dass ich einen Schlag vor die Brust bekommen habe. Das liegt vor Allem daran, dass es kein Drehbuch gab und ich mir vorher genau überlegen konnte, wo ich am Besten die Kamera hinstelle. Ich war überrascht und aufgeregt. Sehr sogar und ich denke, das ist nachvollziehbar. Dennoch ist zu sehen, wie eine Gruppe von Polizisten mit Kampfgeschrei auf friedliche Menschen zurennt und diese angreift. Zahlreiche Kollegen haben die Situation im Übrigen beobachtet. Ein Kameramann vom NDR ist ebenfalls angegangen worden.

Ich bin die ganze Zeit als Journalist erkennbar gewesen. Mein Presseausweis hing deutlich sichtbar an meiner Brust. Und ich habe das verbal ja auch mehr als deutlich gemacht. Das ist einerseits relevant, andererseits aber auch nicht. Denn auch, wenn ich nicht als Journalist dort gewesen wäre sondern einfach nur als normaler Bürger, wäre das Verhalten der Polizei falsch gewesen. Ohne Vorwarnung auf eine Gruppe von Menschen zuzurennen, sie zu treten, zu schlagen und zu schubsen, ohne das diese eine ernsthafte Bedrohung dargestellt hätten, ist Körperverletzung im Amt. Es sollte das gute Recht von jederman sein, polizeiliche Festnahmen zu beobachten. Wenn die Polizei sich dem entzieht, in dem sie die Maßnahme in einen Hinterhof verlegt, ist das doch eher angsteinflößend.

[tp] Kritik am Vorgehen der Polizei beim Hamburger Schanzenfest

Zahlreiche Polizisten bauen sich vor der St. Pauli Fankneipe „Jolly Roger“ auf und sprühen Unmengen von Reizgas durch die Eingangstür. Nach kurzer Zeit stürmt der Trupp in die Kneipe herein. So ist es auf einem [extern] Video zu sehen (ab Minute 3:11). Warum es zu dem Einsatz gegen die Kneipe kam, ist zunächst völlig unklar. Die Polizei schweigt mit Verweis auf interne Ermittlungen, spricht wenige Tage später dann von Barhockern, die aus der Kneipe auf die Beamten geworfen worden seien. Der Betreiberverein des „Jolly Roger“, Ballkult e.V., bestreitet dies. (mehr…)

Überzeugungstäter stoppen!

In Hamburg werden gerade vor dem Verwaltungsgericht zwei Verfahren wegen polizeilicher Willkür in Zusammenhang mit Demonstrationen geführt. Zur Verhandlung stehen zwei Demonstrationsauflösungen durch die Polizei, die als rechtswidrig empfunden werden. Kai von Appen hat dazu einen schönen Kommentar in der taz verfasst:

Die Lethargie scheint oft nachvollziehbar: Was bringt es denn, wenn das Verwaltungsgericht nach Jahren entscheidet, dass ein lang zurückliegender Polizeieingriff rechtswidrig war? Wen interessiert’s, könnte man sich fragen. Und doch ist das zu kurz gedacht.

Sicher: Polizeiführer wie Peter Born und Hartmut Dudde sind Überzeugungstäter. Sie wissen genau, was sie nicht dürfen – und sie tun es dennoch. So gibt Born zu, beim Schanzenfest den Schulterblatt-Boulevard aufgemischt zu haben, bevor es überhaupt zu Krawall gekommen ist. „Heute fangen wir mal an“, wollen Zeugen zudem aus dem Munde von Dudde an Kollegen gehört haben: „Haut mal schön rein.“

Doch Gerichtsurteile zeigen auch Wirkung. So bei der leidigen Praxis, das Tragen von Transparenten an der Seite einer Demo zu untersagen. Seitdem eine Klage bei Gericht anhängig ist, ist diese Auflage aus dem Repertoire gestrichen worden. Auch die Praxis der einschließenden Begleitung – „Wanderkessel“ genannt – steht zurzeit zur Disposition.

Und Urteile können den Politikern, die für die parlamentarische Kontrolle der Polizei zuständig sind, um die Ohren gehauen werden. Denn diese haben in den letzten Jahren zu oft Unrecht durch die Polizei obrigkeitshörig abgenickt – auch und gerade die oppositionellen Sozialdemokraten.

Schläge, Pfefferspray und die Verhältnismässigkeit

Spiegel Online hat sich in dem Video Polizei und Fussballfans: Schläge, Pfefferspray und die Verhältnismässigkeit dem Thema Polizeigewalt gegen Ballsportfreunde gewidmet

Polizeiüberfall auf St. Pauli Fan-Kneipe

Im Zuge des Hamburger Schanzenfests am vergangenen Samstag hat eine(?) Einheit der Bereitschaftspolizei die St. Pauli Fankneipe Jolly Roger überfallen. In einer Pressemitteilung des Betreibervereins heisst es:

Hamburg, den 7. Juli 2009: Vier ausgeschlagene Zähne, schwere Stauchungen und Prellungen, Massenpanik sowie dutzende Gäste, die sich aufgrund von Reizgas übergeben – das ist die Bilanz eines massiven Polizeieinsatzes in der FC St. Pauli Fankneipe „Jolly Roger“ in der Nacht vom 4. auf den 5. Juli 2009. […] Diese gipfelten in einer gewaltsamen Erstürmung der Lokalität, in der etwa 60 der Gäste Schutz gesucht hatten. Stephan D., Geschäftsführer des „Jolly Roger“: „Innerhalb von wenigen Minuten war die ganze Bar voll mit Reizgas. Die Gäste sind in Panik auf die Toiletten und ins Getränkelager in den Keller geflüchtet, vermummte Polizisten mit Schlagstöcken hinterher. Wir sind immer noch total geschockt und fassungslos.“ Ulrike S. war mit fast 30 weiteren Gästen im Keller: „Wir standen da und konnten nicht raus. Oben im Laden hat man keine Luft mehr bekommen und vor der Tür hielten die Wasserwerfer drauf. Wen hätten wir denn anrufen sollen? – 110?“

In diesem Youtube-Video sieht man ab Minute 3:11 sehr deutlich, wie die Polizei von Aussen Unmengen von Reizgas in die voll besetzte Kneipe feuerten. Einem anwesenden Journalisten wurden bei dem Überfall mit einem Schlagstock mehrere Zähne ausgeschlagen:

Spiegel Online berichtet dazu:

Einen der Anhänger erwischte es besonders schlimm. Sven Klein stand beim Abzug der Polizei nach eigenen Angaben einige Meter entfernt vom Eingang der Kneipe und beobachtete die Szenerie, als „mir plötzlich einer der Polizisten mit einem Knüppel ins Gesicht schlug“. Klein hat keine Erklärung für die Attacke, bei der er vier Zähne verlor. Der St. Pauli-Fan, dem eine aufwendige Zahn-OP droht, will jetzt rechtliche Schritte gegen die Polizei einleiten.

Der FC St. Pauli hat die Hamburger Polizei mitlerweile zu einer Stellungnahme aufgefordert. Diese verweigert eine solche jedoch mit der Begründung, dass derzeit interne Ermittlungen stattfinden. Laut einem Bericht der Hamburger Morgenpost hat das Ganze auch bereits jetzt ein juristisches Nachspiel. Auch auf politischer Ebene könnte der Polizeieinsatz zum Schanzenfest Konsequenzen haben, die GAL fordert bereits eine Sondersitzung des Innenausschusses.

Der Blog Ringfahndung kommentiert das Geschehene wie folgt:

Das Machtmonopol der Polizei gehört zu den sensibelsten Machtbefugnissen, die wir Bürger in die Hände der Exekutive gelegt haben. Missbrauchen Polizisten diese Macht, und werden, wie in der Nacht der Schanzenkrawalle beim Überfall auf das Jolly Roger zu vermuten ist, selbst zu “Spielern”, dann zerbricht etwas dieser Demokratie wesenhaftes.

Selbstverständlich erwarte ich von jedem Polizisten, egal, wie lange er schon im Dienst ist, wie sehr das Adrenalin auch in seinen Schläfen pocht, dass er jedes Gegenüber abwägt und zugunsten der Rechte dieses Menschen den Knüppel stecken lässt. Denn nur unter dieser Prämisse räume ich ihm dieses Monopol ein. Bewahrheiten sich die Vermutungen, dass sich hier “erlebnisorientierte” Polizei-Beamte an St. Pauli-Fans gerecht haben, so erlischt diese Machtübertragung. Es wird geradezu zur Bürgerpflicht, sich zu wehren!

Dass die Möglichkeiten, sich mit den Mitteln des Rechtsstaates zu wehren mitunter stark begrenzt sind, resümiert riotpropaganda:

Das auf Grund fehlender individueller Kennzeichnung es eh kaum möglich sein wird den um sich schlagenden Beamten ausfindig zu machen. Dazu kommt, dass in Hamburg schon Beamte mit ganz anderen Übergriffen ungestraft davon gekommen sind (Brechmitteleinsatz, Schüsse in den Rücken und Übergriffe auf Demonstrationen).

Polizeiübergriffe in Berlin

Beim metronaut gibt es eine Dokumentation über Polizeiübergriffe am Rande der versuchten Besetzung des Berliner Flughafens Tempelhof. In einem Video von Spiegel TV online sieht man auch sehr gut, wie die Polizei grundlos Menschen geschlagen hat. Das obligatorische und zu oft schon selbst erlebte „Machen Sie die Kamera aus!“ fehlt auch nicht.

Taser gegen Protestierende

Die britische Polizei hat angekündigt, gegen Demonstrierende in London anlässlich des G20-Gipfels mit vermeindlich nicht-tödlichen Taser-Waffen vorzugehen.

Polizeieinsatz Dresden

Die Alternative Dresden News haben eine ausführliche Auswertung des Polizeieinsatzes am 14. Februar anlässlich des größten Neonaziaufmarschs der BRD veröffentlicht.

Schlag ins Gesicht für Berliner Journalisten

Bert Schulz und Gereon Asmuth vom Berliner Lokalteil der taz sind im vergangenen Jahr am 1. Mai von Berliner Polizisten geschlagen worden, Bert sogar ins Gesicht. In Ausführung ihrer journalistischen Tätigkeit, wohlbemerkt. Während Gereons Verfahren kürzlich eingestellt wurde, liegt nun das Urteil gegen den Polizisten vor, der Bert geschlagen hat: 90 Tagessätze wegen Körperverletzung im Amt. Das Urteil fällt damit sehr milde aus und wurde defakto unter Ausschluss der Öffentlichkeit, im schriftlichen Verfahren geführt. Mehr in der taz von Plutonia Plarre.

Stahlteleskopschlagstock statt Gummiknüppel

Die Hamburger Polizei ersetzt ihre Gummiknüppel durch Teleskopschlagstöcke aus Stahl, die erhebliche Verletzungen hervorrufen können. Damit’s in Zukunft nicht bei blauen Flecken bleibt. Kai von Appen in der taz.